TEBINERI WORKSHOP IN WÜRZBURG

vom 11.01. - 28.04.2000

mit dem Töpfer Hideki INOUE


Der Töpfer Hideki INOUE ist jüngster Sproß einer Töpferfamilie aus Ibaraki in Japan, die sich bis in die Edo-Zeit (1603-1868) zurückverfolgen läßt. Er entstammt somit dem Gebiet der berühmten “Kasama-yaki“-Töpfereien mit dem angrenzenden Gebiet der “Mashiko-yaki“ in Tochigi-ken, aus der weltbekannte Töpfer wie Hamada Shoji hervorgegangen sind.
Ungewöhnlich an Hideki INOUE ist, daß der junge Töpfer seine gesamten Arbeiten zweier Jahre verkauft hat, um sich einen einjährigen Studienaufenthalt in Deutschland zu finanzieren. Seine Liebe zu und Neugier auf Deutschland wurde durch frühere Ausstellungsreisen mit dem Vater nach Norddeutschland und an den Rhein geweckt.
Als sich abzeichnete, daß er vier Monate, von Januar bis April, zum Studium der deutschen Sprache in Würzburg verbringen wollte, besorgten wir ihm in der Weingartenstraße eine Wohnung und baten ihn, uns einen “Tebineri“-Kurs für einen kleinen Kreis von Töpfern, Künstlern und Interessierten zu geben. “Tebineri“ heißt so viel wie “mit der Hand geknetet“ und ist eine alte Form des Töpferns, um Schalen für die Teezeremonie herzustellen. Obwohl in den einschlägigen Werken zur Ostasiatischen Kunstgeschichte selten thematisiert, finden sich dort doch viele Zeugen dieser in Japan weit verbreiteten Technik. 1
Hideki Inoue und Rolf Ebert In großzügiger Weise öffnete uns der Gold- und Silberschmied Burkardt Schürmann dafür wöchentlich sein Atelier, Ton und ein kleiner Imbiß wurden zwanglos von verschiedenen Seiten beigesteuert. Hideki San unterrichtete uns ab dem 11. Januar mit der ihm eigenen liebenswürdig-humorvollen Bereitwilligkeit und Bescheidenheit.
Den Wein zum Auftakt spendierte Hideki Sans Vater, Meister Toshihiro Juhaku-Inoue, in Form eines besonders kostbaren Sakes, der mit Luftfracht aus Japan geschickt worden war. Schrüh- und Glasurbrand durften gegen Entgeld am Ende bei Thomas Henle durchgeführt werden, dem wir an dieser Stelle dafür danken möchten.
Hideki San hatte aus vielen möglichen Techniken, die er am Anfang kurz erläuterte, “katamari-zukuri“ (aus dem Donzel formen) nach dem Vorbild des berühmten Töpfers Kazuhiko SATO gewählt. Wir begannen mit kleinen Reisweinbechern und wurden über viele Stadien bis zur Teeschale am Ende in dieser Technik unterwiesen. Da die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer des Kreises selbst handwerklich ausgebildete Künstler waren, kamen einige gute Arbeiten bei dem Workshop heraus.
Alle zehn Teilnehmer waren beeindruckt von Hideki Sans Können, seiner großen Kenntnis der technischen Details und der absoluten Hingabe an seinen Beruf. Wir empfinden große Dankbarkeit für seine immer freundliche Breitschaft, über alles Auskunft zu geben, aber auch für seine Neugier auf Fragestellungen und der bei Japanern so selten anzutreffenden Lust zu Diskussionen, besonders über Kunst und Töpferei. Wir sind durch diesen Workshop nicht nur in eine bei uns selten gelehrte Kunst, sondern um viele Einblicke in das Dasein japanischer Töpfer bereichert worden. Dafür, Hideki San, noch einmal von Herzen Dank! Wir wünschen Dir bei Deinem Aufenthalt an der Fachschule für keramisches Gestalten in Höhr-Grenzhausen bei Koblenz viel Freude und Erfolg!

Jorinde Ebert

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1 Ich möchte hier als ein Beispiel für viele auf DIETRICH SECKEL, Buddhistische Kunst Ostasien, Stuttgart 1957, Abb. 168 hinweisen.