Geräte aus Bambus (take) sind das Zentrum der Teezeremonie seit Rikyu (1521-1592).
Rikyu war ein Kaufmannssohn aus Sakai, der sich bereits mit 17 Jahren dem Tee zugewandt hatte.
Er sollte der berühmteste Teemeister Japans werden.
Als Oda Nobunaga nach Kyoto kam, stellte er sehr bald fest, daß die Tee-Zusammenkünfte ein beliebtes Freizeitvergnügen der Adligen waren.
Also begann er, berühmtes Teegerät aus Kyoto und Sakai zu sammeln und ließ sich in der Teezeremonie unterrichten.
Sobald er über die Stadt Sakai gebieten konnte, versammelte er berühmte Teemeister wie Imai Sokyu, Tsuda Sokyu und Sen no Rikyu, der bei Take no Jo-o studiert hatte, um sich.
Nobunaga bat Rikyu, ihm ein Teehaus in seiner Burg von Azuchi zu bauen
Er hielt auch Tee-Zusammenkünfte in berühmten Tempeln Kyotos wie den Myokakuji, Shokokuji und Myokoji ab.
Allmählich wurde der Tee so wichtig, daß seine Vasallen, die sich erfolgreich im Feld geschlagen hatten, mit kostbaren Tee-Utensilien beschenkt und ihnen zugestanden wurde, ihre eigenen Teeparties zu halten.
Hideyoshi, der Nobunaga ablöste, war ein Mann, der sich unter den Vasallen ganz besonders im Tee ausgezeichnet hatte.
Er machte generöse Landschenkungen an seine drei persönlichen Teemeister, unter denen auch Sen no Rikyu war, erhöhte ihre Zahl auf acht und setzte Rikyu an ihre Spitze.
Auf Empfehlung von Rikyu ließ er, ähnlich wie bei den buddhistischen Staatstempeln, in allen Distrikten, die seiner Befehlsgewalt unterstanden, moderne Teehäuser bauen.
So kam es, daß unter der Aufsicht Rikyus berühmte Teehäuser wie Taian in der Umgebung von Kyoto errichtet wurden.
In dem Maße jedoch, wie das Ansehen Rikyus stieg, wurde sein Verhältnis zum jähzornigen und mißtrauischen Hideyoshi immer angespannter.
Mit 70 Jahren mußte Rikyu schließlich im Februar rituellen Selbstmord begehen.
In den Hundert Gedichten (Rikyu Hyakushu) des großen Teemeisters Sen no Rikyu steht:
In diesem Gedicht nicht erwähnt sind einige weitere Objekte, die traditionell ebenfalls bei jeder Tee-Zusammenkunft neu sein sollten: so etwa die grünen Bambusrohre (haifuki), die als Aschenbecher Verwendung fanden, die Bambus-Deckelhalter (futaoki) sowie das Zedernholz- oder Bambustablett (hassun), das zum Servieren der Speisen oder Räucherwaren eingesetzt wird.
Zählt man alle diese Geräte zusammen, so erhält man eine Zahl von mindestens 23 aus Bambus gefertigten Utensilien im Teeraum selbst, die noch um viele weitere im Außenbereich bei den Tee-Zusammenkünften zu erweitern wären.
Sen no Rikyu hat zwar von dem Chashaku, also dem Bambuslöffel, mit dem wir uns heute beschäftigen, nicht gesagt, daß er immer neu gemacht werden solle, er hat ihn jedoch selbst häufig für besondere Zusammenkünfte neu geschnitzt, so daß sich auch hier eine Tradition entwickelt hat, zu einem besonderen Anlaß seinen Chashaku selbst zu schnitzen.
Was meint der große Teemeister aber nun, wenn er sagt Wenn...und das Herz neu sind, ist es gut?
Hier begegnen wir den Idealen der Harmonie, der Ruhe, des Respekts und der Reinheit, die für den Teemenschen so wichtig sind.
Harmonie, weil keine Mißtöne alter Geschichten im Teeraum erlaubt werden.
Reinheit, weil alles neu und sauber ist.
Ruhe, weil, wie beim Bambus, Tee auch ein Sinnbild nicht nur für Reinheit, sondern auch für Ruhe ist. Respekt, weil sie dem Gast jenes Gefühl des nur heute und nur für Dich geben.
Jede Begegnung sollte wie eine erste ... und letzte zelebriert werden; eine Manifestation also des ein einziges Mal im Leben (ichigo ichi'e).
Denn der Teemensch weiß, daß du nur das Einmal des Jetzt hast.
Der Chashaku wurde bis zum Anfang der sogenannten Wabi-Teezeremonie im späten 15. Jahrhundert aus sehr vielen und sehr unterschiedlichen Materialien gefertigt.
Aber es gab bereits eine mehr oder minder festgelegte Form, die sich wohl über die Jahrhunderte der Tee-Erfahrung in China als besonders praktisch herausgebildet hatte.
Diese Form kam nach Japan zusammen mit dem gepuderten Tee.
Eine Schrift über Tee aus der Song-Zeit (960 -1168) besagt: Das Gewicht eines Teelöffels ist überaus wichtig für den Vorgang des Teeschöpfens.
Goldene Löffel werden von den höchsten Gesellschaftsklassen verwendet, die niederen Klassen machen ihre aus Silber oder Eisen.
Bein und Elfenbein ist besonders geeignet, aber Bambus ist zu leicht und eignet sich nicht so gut für den Gebrauch.
Nicht erwähnt werden Teelöffel aus Wasserbüffelhorn, Schildpatt, Lack sowie verschiedenste Metalle, darunter auch Kupfer und Silber, die sich in Japan bis ins 16. Jh. großer Beliebtheit erfreuten.
Damals schon wurden von Leuten mit schmalerem Geldbeutel auch Holz- und Bambuslöffel eingesetzt.
Sie ahmten die teureren Löffel nach.
Den aus China stammenden festgelegten Typ dieses ersten frühen Löffels nennt man den orthodoxen (shin).
Der Wabi-Tee Rikyus kehrte die alte, seit der Song-Zeit bestehende Ordnung um, indem er beginnt das Allereinfachste, Bescheidenste und Alltäglichste in den Mittelpunkt des Tee-Geschehens zu stellen.
Der Goldlöffel wird durch den Bambuslöffel ersetzt.
In dem Maße, wie sich die Philosophie des Wabi-Tees vertiefte, und nicht mehr prunkvolle oder kostbare Materialien bei der Teezeremonie verwendet wurden, begannen herausragende Teemeister wie Sen no Rikyu und Kobori Enshu ihre eigenen Teelöffel anzufertigen.
Dieser Prozeß wird um die Mitte des 16. Jhs., als ein gewisser Jo-o aktiv war, eingeleitet.
Der von ihm entwickelte Typ heißt mittlerer (gyo), da er zwischen den orthodoxen- und den Wabi-Löffeln eine Mittelstellung einnimmt.
Mehrere erhaltene Teelöffel von Jo-o zeigen uns, daß er einen Knoten am unteren Ende des Stiels ließ (fushidome chashaku).
Hier wurde also nun nicht mehr ein Elfenbeinlöffel durch Bambus nachgeahmt, sondern die unverkennbare Besonderheit des Bambus betont.
Zum ersten Mal verließ hier der auf seine Funktion und Kostbarkeit hin konzipierte Teelöffel den bisher festgesetzten Rahmen und wird zu einem, manchmal bis ins exzentrische gesteigerte, Ausdruck der Persönlichkeit seines Schöpfers.
Gerade weil Bambus kein kostbares Material ist, kann der Chashaku Inbegriff der kreativen Potenz des Teemeisters werden.
Nachdem seine Länge durch Rikyu auf etwa 21 cm festgelegt wurde, geht es darum, auf diesem kleinen Raum Einfallsreichtum, Stil und Genie zu beweisen.
Teelöffel wurden daher als Ausdruck dieser Kraft gesammelt und gehütet.
Man begann, ihnen Namen zu geben und die Geschichten, die zu ihrer Entstehung führten, zu tradieren.
Zur Zeit Jukos und Jo-os waren es vermutlich noch nicht die Teemeister selbst, die ihre Löffel fertigten, sondern sie ließen sie von speziellen Handwerkern herstellen.
Einige der Namen sind uns überliefert wie z.B. Shutoku, Habuchi Soin und Soei. Shutoku arbeitete für den noch jungen adligen Teemeister Murata Juko.
Sein Schüler Habuchi Soin dann für den alten Murata Juko.
Sosei arbeitete für Jo-o.
In der darauffolgenden Momoyama-Zeit wurde es dann aber mehr und mehr Brauch, daß Teeliebhaber und Amateure ihre eigenen Löffel fertigten.
Solche Teemeister waren der bereits genannte Rikyu, Tsuda Sokyu, Gamo Ujisato und Furuta Oribe, die sich nun daran machten, den Bambus zwar weniger geschickt als ein professioneller Handwerker, dafür aber ganz nach eigenen Wünschen zu schneiden und zu biegen.
Anmerkungen zu oritame (Bambus Teelöffel) häufen sich in den Tee-Tagebüchern vieler Tee-Adepten der Momoyama-Zeit.
Wie weit allerdings diese berühmten Teemeister ihre Teelöffel von Anfang bis Ende selbst herstellten, ist nicht leicht zu beantworten.
Sicherlich ließen sie sich häufig Rohlinge durch Spezialisten vorfertigen und vervollständigten sie dann weiter.
Es ist interessant, daß die Chashaku der Amateure just in jenem Augenblick Mode wurden, als Rikyu der führende Teemeister war und zugleich bei dem Meister Chojiro seine ersten Raku-Teeschalen in Auftrag gab.
Rikyu war es, der als erster den Knoten des Bambus in die Mitte des Löffels verlegte (nakabushi chashaku).
Mit dieser Neuentwicklung, die nun den Bambusspatel als Teil seines Ursprungsmaterials, des Bambus nämlich, unmißverständlich kennzeichnete, entstand ein Chashaku, der perfekt zum Wabi-Tee Rikyus paßte.
Dieser Tee wurde mit einer kleinen, bescheidenen Grashütte assoziiert, statt mit den vorherigen prunkvollen Palastpavillons.
So nannte man auch den Löffel Gras (so).
Der So-Typ wurde von nun an der vollkommenste Ausdruck für die Art von Tee-Treffen, die Rikyu bevorzugte.
Er bleibt bis heute der am meisten verwendete Typ.
Wenden wir uns diesem Typ nun etwas eingehender zu.
Die Teemeister teilen den Löffel in zwei Teile: oberhalb (fushiue) und unterhalb des Knotens (fushishita).
Sie legen ihr besonderes Augenmerk auf die obere Biegung und auch Formung des Löffels, dann aber auch auf die Behandlung unter und oberhalb des Knotens, und zwischen der Biegung oberhalb des Knotens und der Spitze.
An diesen Stellen erweist sich die Meisterschaft des Herstellers.
Unterteilt wird heute zwischen (von oben nach unten)
Dank: Dem Japanischen Kulturinstitut in Köln, dem Teemeister John Toomey Sofu und der Teemeisterin Frau Seiko Terada möchte ich meinen besonderen Dank aussprechen für viele Anregungen und die Zurverfügungstellung von Literatur.
Den Text habe ich jedoch ganz allein zu verantworten.
Alle Fehler und Irrtümer gehen auf meine eigene Kappe.