Der vor 200 Jahren, am 17. Februar 1796, in Würzburg geborene Philipp Franz von Siebold gehört zu den bedeutendsten Vermittlern des Kulturaustausches zwischen Japan und Europa.
Durch seine Forschungen auf den Gebieten der Botanik, Zoologie, Geographie, Enthnologie und Philologie ist er bis heute vor allem in Japan wohlbekannt.
Doch trotz dieser vielfältigen Interessen war Siebold der Ausbildung nach eigentlich ein Arzt.
Er entstammte einer bekannten Würzburger Ärzte- und Gelehrten-Familie; sein Vater Christoph Siebold (1767-1798) war Professor der Medizin und Chirurgie an der Universität, sein Großvater Carl Caspar Siebold (1736-1807) war wegen seiner medizinischen Verdienste 1801 in den Reichsadel erhoben worden.
Nach dem frühen Tod ihres Mannes zog die Mutter Appollonia (1768-1845) mit ihrem einzigen überlebenden Kind Philipp Franz zu ihrem Bruder, dem Stadtpfarrer Dr. Franz Lotz (1765-1839), nach Heidingsfeld, der zugleich Vormund des Knaben wurde.
1815 immatrikulierte sich Philipp Franz an der Universität Würzburg in Philosophie, ab 1816 in Medizin, womit er die Familientradition fortsetzte.
Zur Ausbildung gehörte auch der Unterricht in Chemie, Botanik und Pharmazie.
Ignaz Döllinger (1770-1841), damals bekannter Professor für Anatomie, Embryologie und Physiologie, nahm 1817 Siebold bei sich auf, unterwies ihn in naturwissenschaftlichen Fächern und verschaffte ihm wichtige wissenschaftliche Kontakte.
1820 promovierte Siebold zum Doktor der Medizin, Chirurgie und Entbindungskunst.
Nach kurzer Tätigkeit als praktischer Arzt in Heidingsfeld bemühte sich Siebold, wohl auch um seiner naturwissenschaftlichen Vorliebe wegen und um Gelegenheit zum Reisen zu finden, um eine Anstellung im Ausland.
Ein Schüler seines Vaters vermittelte ihm 1822 eine Anstellung als Militärarzt in der niederländisch-indischen Armee.
Er verließ am 7. Juni 1822 Würzburg und wurde schon am 11. Juni in den Niederlanden zum ´Chirurgyn-Major´ (Stabsarzt) ernannt.
Von Rotterdam reiste er am 23. September per Schiff anch Batavia (heute Djakarta auf Java), der Hauptstadt der niederländischen Besitzungen in Asien, wo er am 13. Februar 1823 ankam.
Schon nach einem Monat wurde ihm vom Generalgouverneur die Stelle des Faktorei-Arztes auf der Insel Deshima vor Nagasaki angeboten, wo er im Auftrag der holländischen Regierung als Faktorei-Arzt wirken und zugleich wissenschaftliche Studien durchführen sollte.
Holland war zu dieser Zeit neben China die einzige Nation, mit der Japan überhaupt Handelskontakte pflegte.
Die ersten Kontakte Japans mit Europa waren über portugiesische Seeleute erfolgt, die 1542/43 in Japan ankamen; Portugal zählte Japan mit ganz Ostasien zu seiner Einflußsphäre (Padroaodo), wo es allein Handel treiben und missionieren durfte.
Den Seeleuten folgten Missionare aus dem Jesuitenorden, die ebenfalls zumeist Portugiesen waren.
Ab 1590 folgten Dominikaner und Franziskaner von den Philippinen, die Spanien zu seiner Einflußsphäre (Patronato Real) rechnete.
Innenpolitische Machtkämpfe in Japan, die Rivalität zwischen den beiden Nationen und den Orden, vor allem die Furcht Japans vor einer europäischen Invasion führte dazu, daß Japan seit 1639 die Kontakte mit Portugal völlig abbrach.
Das Christentum war schon zuvor verboten worden.
Japan beschloß den Zustand des ´sakoku´, d.h. es schloß sich hermetisch von der Außenwelt ab.
Kein Japaner durfte das Reich verlassen; Holland, das seit 1600 Handel mit Japan trieb, war die einzige europäische Nation, mit der begrenzter Kontakt aufrecht erhalten wurde.
Aber auch die Holländer waren in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
Sie mußten auf der 1635/36 künstlich aufgeschütteten Insel Dejima (Deshima) vor Nagasaki wohnen, die sie in der Regel nur anläßlich der alljährlichen Gesandtschaften in die Hauptstadt Edo (heute Tokyo) verlassen durften.
Am 28. Juni verließ Siebold Batavia; am 8. August 1823 landete er in Nagasaki und ging am 11. an Land.
Siebolds erster Aufenthalt in Japan währte bis zum 22. Oktober 1829, dem Tag, an dem er aus Japan verbannt wurde.
Neben der medizinischen Betreuung der Faktorei-Angehörigen stürzte sich Siebold sofort nach seiner Ankunft auf die wissenschaftliche Erforschung Japans, die ja ebenfalls zu seinen Aufgabengebieten zählte.
Da Japaner nur als Kurtisanen oder Dolmetscher die Insel betreten durften, aber von den umfassenden Kenntnissen des neuen Arztes profitieren wollten, kamen sie als Dolmetscher auf die Insel.
Siebold gab wöchentlich drei Vorlesungen über Natur- und Heilkunde in holländischer Sprache.
Später erteilte ihm der Statthalter von Nagasaki, Fujiwara Takahasu, die Erlaubnis, gelegentlich die Insel zu verlassen und Hausbesuch zu machen.
Dank der Vermittlung seiner Schüler konnte Siebold unter einem japanischen Decknamen im Tal von Narutaki ein Grundstück erwerben, wo er Vorlesungen hielt und Kranke behandelte.
Im Hausgarten zog er Heilpflanzen für den eigenen Bedarf.
In dieser Klinik behandelte Siebold alle Hilfesuchenden ohne Ansehen der Person und des Standes.
Vor allem seine Staroperationen erregten großes Aufsehen.
Für seine Behandlungen nahm Siebold kein Geld an; seine Patienten schenktem ihm aus Dankbarkeit wertvolle Kunst- und Gebrauchsgegenstände.
Doch Siebolds Aufenthalt in Japan endete im Jahre 1829.
Vom kaiselichen Hofastronom Takahashi hatte er sich heimlich Landkarten von Japan beschaffen lassen, weshalb er der Spionage bezichtigt wurde.
Außerdem machten ihn seine vielen Kontakte mit Japanern und seine Sammlungen verdächtig.
Siebolds japanische Zeitehefrau Sonogi (1807-1865) mußte samt Tochter O-Ine (1827-1903) in Japan zurückbleiben.
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